Duales Mode-Studium: Vorteile und Nachteile

Duales ModestudiumMode ist etwas zum Anschauen, Anfassen, Kaufen ‒ sie lebt von der Praxis und prägt zugleich einen der bedeutendsten Wirtschaftszweige. Ob mit stilbewusstem Hintergrund, aus rein pragmatischer Sicht oder für Spezialzwecke (z. B. Berufs- oder Sportbekleidung), der Mensch benötigt etwas zum Anziehen. In diesem Fachgebiet erscheint ein duales Studium aufgrund der großen Praxisnähe besonders sinnvoll. Doch wie bei allen wichtigen Entscheidungen sollten sämtliche Vor- und Nachteile sorgfältig betrachtet und abgewogen werden.

Nähe zur Branche

Dual studieren bedeutet eine hohe Präsenz in Unternehmen ‒ je nach Modell z. B. durch längere Praktika oder eine komplette zusätzliche Berufsausbildung. Dadurch ist die unmittelbare Nähe zur Branche bereits vor dem Abschluss gegeben. Viele Absolventen berichten, dass ihnen das Lernen leicht fällt, da das Wissen sofort konkret umgesetzt wird bzw. theoretische Inhalte auf die im Betrieb gemachten Erfahrungen bezogen werden können. Partnerfirmen des Studiengangs „BWL ‒ Handel/Textilmanagement“ (Anbieter: DHBW Ravensburg) etwa sind der Ansicht, dass das in kurzer Zeit erworbene Branchen-Know-how „deutliche Karrierevorteile im Unternehmen“ bringt.

Gute Perspektiven

KarriereleiterDurch Gespräche mit Kollegen, Abteilungsleitern, Lieferanten usw. lässt sich schon während des dualen Studiums aktives Networking betreiben. Man hat schnell seinen „Fuß in der Tür“ und wird im Unternehmen und bei dessen Partnern bereits wahrgenommen. Wer mit guten Leistungen, persönlichem Auftreten und Teamgeist punktet, hat unter Umständen schon die spätere Festanstellung in der Tasche. Dies kann sich zwar auch durch ein Praktikum während eines regulären Studiengangs ergeben, doch das duale Studium mit seinen mehrfachen Praxisphasen ermöglicht ein intensiveres gegenseitiges Kennenlernen.

Mehrere Abschlüsse

Bei ausbildungsintegrierenden dualen Studiengängen kannst du neben dem Bachelor-Abschluss einen Titel in einem anerkannten Ausbildungsberuf erwerben. Dieses Format ist in wirtschaftlich-technischen Fachgebieten stark verbreitet. Im Bereich Mode kann z. B. an der Hochschule Niederrhein der Bachelor-Studiengang „Textil- und Bekleidungstechnik“ mit einer passenden Berufsausbildung wie Änderungsschneider/in kombiniert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, im Paket mit dem Studium ein Traineeprogramm zu absolvieren. So kann man an der LDT Nagold Textilmanagement mit Zertifikat „Textilbetriebswirt/in BTE“ studieren und parallel dazu eine 30-monatige Trainee-Ausbildung durchlaufen. Das verschafft Vorteile gegenüber der sonst weit verbreiteten Praxis, das Programm erst nach dem Hochschulabschluss zu absolvieren. Anders als eine Berufsausbildung richtet sich ein Traineeprogramm speziell an Akademikerinnen und Akademiker. Es zielt auf die Bildung von hoch qualifizierten Nachwuchskräften.

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Lohn und Ausbildungsvergütung

Duales Studium GehaltDie praktische Tätigkeit während des dualen Studiums wird normalerweise vergütet, was einen weiteren Vorteil mit sich bringt: Dank der regelmäßigen Einkünfte lässt sich das Studium oftmals leichter finanzieren als mit z. B. BAföG oder/und Nebenjobs. Da die betrieblichen Aufgaben zum Studium passen (sollten), können Niveau und Bezahlung deutlich höher sein als bei vielen typischen Studentenjobs. Dies ist allerdings häufig Verhandlungssache und hängt von der Art der Praxisanteile ab. Während die Ausbildungsvergütung den gängigen (Tarif-)Verträgen entsprechen sollte, gibt es für ein Praktikum eher eine Aufwandsentschädigung. Ein reguläres Trainee-Jahresgehalt liegt oft im fünfstelligen Bereich. Beim dualen Studium kann der Auszahlungsbetrag allerdings wesentlich niedriger sein, da das Unternehmen i. d. R. bereits die Studiengebühren übernimmt. Ein finanzieller Vorteil bleibt es dennoch.

Weniger Freizeit

Viele Absolventen sind froh, das duale Format gewählt zu haben. Dennoch ist es wichtig, sich vorab genau zu fragen, ob es auch für einen persönlich das Richtige ist. Voraussetzung ist in jedem Fall eine hohe Einsatzbereitschaft: In vergleichsweise kurzer Zeit sind z. B. zwei verschiedene Ausbildungswege zu bewältigen. Das bringt auch ein höheres Lernpensum und weniger Freizeit mit sich. Praxisphasen fallen oftmals in die Semesterferien bzw. vorlesungsfreie Zeit. Daher ist dieses Studienformat besonders für zielstrebige Menschen geeignet, die schnell in das Berufsleben einsteigen möchten.

Bindung an den Betrieb

Dual Studierende gehen ein Vertragsverhältnis mit dem jeweiligen Betrieb ein. In der Regel ist dieser Nachweis eine Zugangsvoraussetzung für das Studium. Es muss also erst ein Partner-/Ausbildungsbetrieb gefunden werden, bevor man sich bei der Hochschule bewirbt. Dies ist dank bestehender Kooperationen meist kein Problem, doch man legt sich damit frühzeitig fest und geht vertragliche Pflichten ein. Auch der Schwerpunkt bzw. Einsatzbereich ist damit schon von vornherein enger gesteckt. Man sollte also schon ziemlich genau wissen, wo die eigenen Prioritäten liegen, wenn man sich für das duale Studium entscheidet. Natürlich ist es grundsätzlich möglich, später durch Einarbeitung, Weiterbildung usw. auch in anderen Bereichen Fuß zu fassen, doch dies kann sich entsprechend umständlicher gestalten.

Begrenztes Angebot

Die Auswahl nicht-dualer Studiengänge ist insgesamt wesentlich größer als beim dualen Format. Besonders im Bereich Mode ist das Angebot dualer Studiengänge noch sehr überschaubar, sodass vielleicht nicht für jeden das Passende dabei ist. Dabei gilt es, die favorisierte Ausrichtung im Auge zu behalten: Wer eher im Bereich Forschung tätig sein und evtl. promovieren möchte, ist an einer Universität oder vergleichbaren Hochschule besser aufgehoben.

Informieren und entscheiden

Wie bei jeder Entscheidung sind auch beim (dualen) Studium persönliche Vorstellungen und Ziele maßgeblich. Aus einem vermeintlichen Vorteil kann dabei ein Nachteil werden und umgekehrt: Jeder Mensch bewertet z. B. einen straffen Zeitplan und betriebliche Bindung auf seine Weise. Es liegt daher an jedem selbst, auf die Frage „Dual studieren ‒ ja oder nein“ eine klare Antwort zu finden. Fest steht jedoch: Wenn das duale Studium zum persönlichen Weg passt, ist es ein äußerst attraktives Format mit sehr guten Karriereaussichten.


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