Modeschule, Modefachschule, Uni, Kunsthochschule oder FH? Welche Bildungseinrichtung ist die richtige?

Uni Modedesign StudiumKunsthochschule, Universität, Fachhochschule, Akademie, Modefachschule … Wer den passenden Studiengang im Bereich Mode sucht, wird mit einer besonders breiten Palette von Bildungseinrichtungen konfrontiert. Dabei variieren Inhalte, die Gewichtung von Theorie und Praxis, Aufnahmebedingungen und Kostenaufwand. Themen wie Vor- und Nachteile von Privatschulen sowie staatliche Anerkennung spielen eine besondere Rolle. So gibt es nach Auskunft des Verbands Deutscher Mode- und Textildesigner (VDMD) bundesweit allein ca. 90 Institutionen, die Modedesigner/innen ausbilden. Weil diese Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, führen die unterschiedlichsten Bildungswege zum Abschluss ‒ von der vergleichsweise kurzen Berufsausbildung bis hin zum Bachelor- und Masterstudium. Auch bei anderen Mode-Studiengängen wie z. B. Textilmanagement bestehen große Unterschiede.

Uni, FH, Akademie & Co.

Studiengänge im Bereich Mode werden von Fachhochschulen und Akademien, von Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen (z. B. Kunsthochschulen) angeboten. Neben den Zugangsvoraussetzungen ist Praxisnähe ein wichtiges Kriterium: Der Praxisanteil ist bei Fachhochschulen und Akademien in der Regel größer, während bei universitären Studiengängen oftmals Forschungsaspekte stärker gewichtet werden. Modeakademien sind häufig private Bildungseinrichtungen, die jedoch über eine staatliche Anerkennung verfügen können. Eine Besonderheit sind dabei die grundsätzlich staatlich anerkannte Berufsakademien (BA), die duale Studiengänge anbieten.

Privat und staatlich anerkannt

Im Bereich Mode und Design gibt es besonders viele privat organisierte Bildungsanbieter, darunter sicherlich das eine oder andere schwarze Schaf: Kosten der Ausbildung und die erworbene Qualifikation stehen dann in keinem Verhältnis. Einen akademischen Titel wie Bachelor und Master dürfen nur staatlich anerkannte Bildungseinrichtungen mit entsprechender Akkreditierung vergeben. Um dies gewährleisten zu können, arbeiten viele Akademien mit Hochschulen zusammen. Dies soll aber keineswegs heißen, dass nicht-akademische Bildungswege nicht zum Ziel führen können. Für angehende Modedesigner ist auch ein Weg über eine Ausbildung möglich. Allerdings kann man dann nach dem ersten Abschluss kein weiterführendes Masterstudium belegen.

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Abschluss und Prestige

Hier ist es wichtig, sich frühzeitig über die eigenen Ziele klar zu werden: Wer Wert auf akademische Inhalte und einen entsprechend anerkannten Abschluss legt, sollte sich für einen Bachelor- bzw. im Anschluss einen weiterführenden Masterstudiengang entscheiden. Damit steht anschließend auch die Möglichkeit offen, zum Beispiel in der Designforschung zu promovieren. Mode kann dabei ein technisches Studium mit dem Abschluss Bachelor of Engineering bedeuten, zum Beispiel Textiltechnik. Wer sich hingegen eher in der (allerdings oft verklärten) Glamourwelt sieht, fühlt sich vielleicht an einer renommierten privaten Modeschule besser aufgehoben. Hier wird internationales Prestige oftmals stark bewertet. So kann die Frage entscheidend sein, ob eine Akademie bereits einige große Designerinnen und Designer hervorgebracht hat und über spannende Kontakte verfügt.

Fachschulen und Kollegs

Der Begriff „Fachhochschule“ ist nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung „Modefachschule“. Bei letzterer handelt es sich um eine Berufsfachschule, ein Format, das in machen Bundesländern (Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) dem Berufskolleg entspricht. Wenn auch in diesem Zusammenhang oft von „Studium“ die Rede ist ‒ hier geht es um eine schulische Berufsausbildung, die z. B. zum Abschluss „staatlich geprüfte/r Modedesigner/in“ führt. Diese Bildungsgänge orientieren sich an vergleichbaren dualen Ausbildungen (Betrieb/Berufsschule). Abgesehen von Praxisanteilen wie Praktika usw. sind sie jedoch rein schulisch organisiert. An Berufskollegs können zudem allgemeinbildende Abschlüsse wie die Fachhochschulreife erworben werden, aber kein akademischer Bachelor.

Inhalte und Einsatzbereiche

Abhängig von der Bildungseinrichtung unterscheiden sich auch die Inhalte der Studiengänge, und dies oft gravierend. So ist der Studiengang „Modedesign“ an der Hochschule Niederrhein eher industriell ausgerichtet: Neben kreativen Inhalten wird technisches Grundwissen vermittelt, das auf den Einsatzbereich Bekleidungsindustrie zielt, etwa Maschinenlehre, Materialkunde, Mathematik und Chemie. Daher wird dieser Studiengang auch von Hochschulen angeboten, bei denen man ihn auf den ersten Blick kaum vermuten würde ‒ etwa der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

Zeugnis, Mappe und Einstellungstest

Vergleichbar unterschiedlich sind auch die Zugangsvoraussetzungen der Mode-Hochschulen, -fachschulen, Kollegs und reinen Privatschulen. Es beginnt schon mit dem geforderten Schulabschluss: Während für die Ausbildung an den Modefachschulen i. d. R. die Mittlere Reife genügt, muss an Fachschulen mindestens Fachabitur und an Universitäten die allgemeine Hochschulreife nachgewiesen werden. Hierbei gibt es allerdings auch Ausnahmeregelungen: So kann an einigen Akademien eine abgeschlossene Berufsausbildung die Fachhochschulreife ersetzen. Viele Anbieter erwarten ohnehin eine passende berufliche Vorbildung bzw. ein einschlägiges Praktikum.

Die künstlerische Eignung

Bei kreativen Studiengängen wird auch die künstlerische Eignung besonders bewertet. Die wohl meisten Institutionen verlangen die „gefürchtete“ Mappe, die z. B. frei gestaltete Arbeiten, Skizzen und Entwürfe, Collagen und Fotografien enthalten kann. Bei vielen betriebswirtschaftlich oder technisch orientierten Mode-Studiengängen (z. B. Bekleidungstechnik) wiederum muss keine Mappe eingereicht werden bzw. die Vorlage wird freigestellt. Auch für die Aufnahmeprüfung vor Ort und/oder das Bewerbungsgespräch können sehr unterschiedliche Anforderungen gelten ‒ hier ist oft schon der Blick auf die Homepage des Anbieters sehr aufschlussreich.

Gebühren und weitere Kriterien

Wenn du dich bei Anbietern von Mode-Studiengängen informierst, solltest du auch besonders auf die Studiengebühren achten, die gerade bei privaten Einrichtungen sehr hoch sein können. Mitunter fallen extra Kosten für die Aufnahmeprüfung und ggf. einen internen (freiwilligen) Mappenkurs, Materialien usw. an. Interessant sind auch Fragen, wie das Alter der Bildungseinrichtung (wie lange am Markt?), Qualifikation der Dozenten, Partnerhochschulen und Ausbildungsstätten auf internationaler Ebene. Neben den eigenen, oft werbewirksamen Angaben der Bildungsanbieter können Erfahrungsberichte von Absolventen sehr hilfreich sein. Und: Grundsätzliche Fragen zur Studienwahl finden Sie in diesem Beitrag. Viel Erfolg!

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